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Helmut von den STEINEN, 1890–1956

Helmut von den Steinen (Zeichnung, Quelle: Athener Kunstakademie/Bibliothek)
Helmut von den Steinen (Zeichnung, Quelle: Athener Kunstakademie/Bibliothek)

Unter den drei deutschen Übersetzern, die sich zwischen 1936 und 1946 – allesamt im Exil, alle dem weiteren Umkreis Stefan Georges zugehörig – mit dem Werk des Alexandriners Konstantinos Kavafis (1863–1933) beschäftigten, hat sich Helmut von den Steinen als Verfasser der eigenständigsten Nachdichtung durchgesetzt.[1] Zuerst als einsprachige Teilausgabe 1953 im Suhrkamp-Verlag und schließlich komplett 1985 (154 autorisierte Gedichte) in der Amsterdamer Castrum Peregrini Presse erschienen, gilt sie bis heute als klassisch, repräsentativ, „meisterhaft“, „virtuos“, eine „außerordentliche poetische Leistung“.

Philologisch vorbelastet war der in Marburg a. d. Lahn geborene Übersetzer nach der reformgymnasialen Schulzeit in Potsdam bzw. Charlottenburg sowie hauptsächlich volkswirtschaftlichen Studien in Zürich, Heidelberg und München eher weniger. Doch kam er aus einer wissenschaftsaffinen, künstlerisch sensibilisierten bildungsbürgerlichen Berliner Familie. Mit einer Arbeit über das zeitgenössische Verlagswesen wurde er 1912 als Nationalökonom bei Alfred Weber in Heidelberg promoviert und war bis 1934 ethnologisch (des Vaters Karl von den Steinens Fach!) als freier Mitarbeiter an Leo Frobenius’ Forschungsinstitut für Kulturmorphologie („Afrika-Institut“, heute: Frobenius-Institut in Frankfurt a.M.) beschäftigt. Dass ihn Sprachen beschäftigten und ihm besonders leicht fielen, geht aus einer Hesiod-Übersetzung hervor, die 1930 zweisprachig erschien, sowie aus der Tatsache, dass er während des Ersten Weltkriegs, den er durch eine Abordnung nach Bulgarien überstand, innerhalb zweier Jahre die Landessprache nicht nur sprechen, sondern auch schreiben gelernt hatte. Viel später und unter eigenwilligen Bedingungen – in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre in einem britischen Militärcamp der Suez-Zone, anschließend an der Universität Kairo – sollte er schließlich als Dozent für Alte Sprachen wirken.

In der Heidelberger Studienzeit jedenfalls hatten sich, vielleicht auch angestoßen von seiner Mutter, einer erklärten Anhängerin Stefan Georges, Freundschaften zum engeren oder weiteren Kreis des Meisters ergeben (vgl. Hartmann 2012). Durch diese Kontakte erhielt von den Steinen, so in Wolfgang Frommels Nachruf zu lesen, „einen unmittelbaren Eindruck von der erzieherischen Kraft des Dichters selbst“ (Frommel 1959: 67). Persönlich ist er George offenbar nie begegnet. Im Dunstkreis eines kooperativen Netzwerks schrieb er als inzwischen polyglotter Publizist (Französisch, Englisch, Bulgarisch, Russisch, Italienisch, Altgriechisch) Beiträge für die jungkonservative Zeitschrift Das Gewissen, später auch Rundfunksendungen im Auftrag von Wolfgang Frommel (1902–1986).[2] Neben seiner wissenschaftlichen Qualifizierung bzw. publizistischen Tätigkeit wurde er mit weiteren „Georgeanern“ bekannt, namentlich mit Friedrich Wolters (1876–1930) und Karl Wolfskehl (1869–1948). Mit letzterem korrespondierte er später während beider Exilzeit (s. Blasberg 1988: 223–239).

Vermutlich erstmals während der Weltkriegsjahre in Sofia war er in Berührung mit Kulturen des früheren Osmanischen Reichs, so auch mit Griechenland gekommen. Ethnologisch manifestiert sich eine Neugier auf die zeitgenössische Volkskultur im Vorwort zu einer 1929 erschienenen Sammlung mit griechischen, türkischen sowie jüdisch-spaniolischen Volksmärchen und Schwänken, die Paul Hallgarten auf der Insel Rhodos gesammelt hat.[3] Die definitive Hinwendung zum Neugriechischen wurde jedoch von außen befördert: Unter dem wachsenden Druck des NS-Staats verließ der Sohn einer jüdischen Mutter Deutschland, 1935 erst zu einer Exkursion nach Abessinien, anschließend ging es fast nahtlos Richtung Griechenland, wo er vermutlich im März 1936 eintraf.

Was hat ihn ausgerechnet in den mediterranen Südosten gezogen? Mag der „aeginatische Plan“ (Blasberg 1988: 238), über den er und Karl Wolfskehl Mitte der 1930er Jahre in Italien nachdachten, mitgespielt haben? Mit derselben Leichtigkeit wie Bulgarisch muss er das Neugriechische erlernt haben, autodidaktisch versteht sich. Der März 1936 jedenfalls ist von ihm auch als Zeitpunkt der ersten Kavafis-Lektüre benannt, was eine Parallelität zum Spracherwerb nahelegt. Im Athener Kavafis-Archiv erhaltene Briefe auf Griechisch aus dem Jahr 1937 zeugen jedenfalls von verblüffender Fertigkeit in Grammatik und Syntax und einem ausdifferenzierten Vokabular. Ab Herbst lebt er in Athen und nimmt seine neue Aufgabe in Angriff: Die Übertragung der Kavafis-Gedichte auf der Grundlage der in Alexandria erst zwei Jahre zuvor erstmals erschienenen originalen Buchausgabe; er unterrichtet als Privatlehrer Deutsch, schreibt und spricht gelegentlich für den Rundfunk. Es entwickeln sich Kontakte mit griechischen Autoren, etwa zu Nikos Kazantzakis (1883–1957) oder Pantelis Prevelakis (1909–1986). Dokumentiert aus dieser Phase sind auch zwei Besuche (5. November und 3. Dezember 1940) bei Giorgos Seferis (1900–1971), damals als Georgios Seferiadis leitender Beamter des Presseministeriums. Man unterhält sich u.a. über die deutsche Übertragung des später berühmt gewordenen Gedichts Der König von Asine, das im Frühjahr 1940 im Band Logbuch erschienen war. Bei dieser Gelegenheit äußert von den Steinen sein Bedauern, aus Altersgründen dem griechischen Widerstand nicht „dienen“ zu können.[4]

Der Einmarsch der Wehrmacht vertreibt ihn am 18. April 1941 aus Griechenland. Von den Briten über Kairo nach Palästina verbracht, wird er dort als Civil Internee 14 Monate festgehalten; dann geht es über Kenia ins Internee Camp No. 6 in Uganda, wo von aus er am 9. März 1943 über den Deputy Censor in Kampala einen englisch verfassten Brief an Giorgos Seferis, „Director of Press“, Greek General Consulate, Kairo schickt: „Das antike Griechenland ist mir sehr gegenwärtig an den Quellen des Nils und Homer mein täglicher Gefährte.“[5] Er bittet Seferis um Übersendung eines Exemplars der Kavafis-Gedichte, da sein eigenes in Athen verblieben sei; unbekannt, ob darauf reagiert wurde. 1944 kann er nach Jerusalem zurückkehren, wo er sich nach eigenem Bekunden „vor einer Wand“ wiederfindet, bestehend aus den faktischen Lebensbedingungen seiner „realen Geworfenheit“ ohne „konkrete Aussicht auf Änderung dieses Materiendrucks“ (Blasberg 1988: 230) einerseits, einer Fülle von nicht oder halb verwirklichten eigenen Projekten andererseits. Dazu kommt, dass Wolfskehl ihm am 25. April 1946 definitiv das längst versprochene Vorwort für seine geplante Kavafis-Ausgabe absagt: „Es geht nicht, meine Kräfte nehmen ab, die eigene Arbeit beansprucht vollauf, was sich erübrigt“ (ebd.: 231). Jetzt konzentriert sich von den Steinen auf seine „Hauptarbeit“: den „Versuch, meine deutsche und jüdische Position als geistiges Wesen zu klären.“ Wie nie zuvor wird er, dessen Vorfahren bereits 1820 konvertiert waren, sich jetzt seines Judentums bewusst: „Unendlich viel Geschichte, die ich ja schändlich ignorierte, habe ich nachgelernt.“ Er konzipiert ein „Bekenntnisbuch“ auf Englisch in sieben Kapiteln mit dem Titel: The School of Silence, a German contribution to the remoulding of man, das im Herbst 1947 „auf 900 Manuskriptseiten angeschwollen“ (ebd.: 237) ist. Exakt in diesem Herbst begibt er sich mit dem „nötigen ägyptischem (sehr nachpharaonischen) Visum“ nach Geneifa in der Suez-Kanalzone, um deutschen Kriegsgefangenen des britischen Camps 380 und „gelagerten Stratioten Britanniens“ im British Middle East College „Deutsch, Französisch, Latein, Griechisch, Weltgeschichte und Weisheitsliebe“ (ebd: 236) zu vermitteln.

1949 übernimmt er ein Lektorat für Alte Sprachen an der Fu’ad-Universität, heute Universität Kairo. Wiederholt macht er ab nach 1950 Reisen u.a. nach Athen, in der Absicht, sich erneut auf Dauer in Griechenland niederzulassen. Zwei umfangreiche Romane des Freundes Nikos Katzantzakis erscheinen Mitte der 1950er Jahre in seiner Übersetzung und werden jahrzehntelang wiederaufgelegt, auch seine 700 Druckseiten umfassende Myrivilis-Übersetzung aus dem Jahr 1955 (Die Madonna mit dem Fischleib; Manesse Bibliothek der Weltliteratur) kann bereits rein quantitativ als herausragende übersetzerische Leistung bezeichnet werden.

Von den Steinen bemüht sich in den 50er Jahren darum, seiner Stimme im sich formierenden bundesdeutschen Literaturbetrieb Gehör zu verschaffen, davon zeugen u.a. Briefe an den Gründer der Zeitschrift Akzente Walter Höllerer (1922–2003) oder die Herausgeber der Kultur- und Literaturzeitschrift Merkur; er kämpft um eine Professur für deutsche Sprache und Literatur am Athener Polytechnikum. Sein plötzlicher Tod am 26. Dezember 1956 auf Rhodos beendet diese Aktivitäten. Von den Steinen, verschiedentlich als „intellektueller Outsider“, „Freigeist“, „Einzelgänger“ oder „Nonkonformist“ bezeichnet, soll in Athen beigesetzt sein.

Wolfgang Frommels anonym veröffentlichter Nachruf im Castrum Peregrini zeichnet ein facettenreiches Bild der Persönlichkeit von den Steinens:

Auf der menschlichen Ebene war er von Widersprüchlichkeiten und Gegensätzen bestimmt. Wenn er mit seiner großen schweren Gestalt, dem mächtigen, fast kahlen runden Kopf, bürgerlich konfektionsmäßig gekleidet ins Zimmer trat, wäre es schwierig gewesen, ihn sozial einzuordnen. Das fleischige bleiche Gesicht mit dem braunen Schnurrbart, die seltsam geschnittenen Augen mit einem oft unheimlich forschenden, dann wieder gläsernen unpersönlichen Blick, dazu eine eigentümlich stilisierte Art des Sprechens, als ob er Sätze von einem unsichtbaren Manuskript abläse, die Schroffheit seiner Formulierungen, und andererseits sein sehr sicheres weltmännisches Auftreten: das alles verlieh ihm einen fremdländischen Zug, und man hätte vielleicht zuerst geglaubt, einen Mann der Wirtschaft, den Herausgeber eines grossen Journals, vielleicht aber auch einen in Zivil gekleideten Offizier der östlichen Mittelmeerländer vor sich zu haben. (Frommel 1959: 69f.)

Getrost kann Kavafis als „Entdeckung“ von den Steinens in seiner Athener Anfangszeit gelten, über die er bald seinen Briefpartnern aus dem George-Kreis, Karl Wolfskehl und Wolfgang Frommel, berichtete. Für Rückfragen zum Original stand ihm anfangs Nikos Kazantzakis zur Seite. Schon 1937 hatte sich der Übersetzer schriftlich an die Kavafis-Erben wegen der Rechte an der deutschen Fassung gewandt und offenbar bereits ab 1938 versucht, für „seinen“ Kavafis den Basler Benno Schwabe-Verlag zu gewinnen. Über dessen ablehnende „Basler Stotzigkeit“ äußerte sich der inzwischen nach Auckland emigrierte Wolfskehl „erbost“ (Blasberg 1988: 224), zumal seine damals noch zugesagte Einleitung so etwas wie der Schirm der Edition geworden wäre. Bei weiteren Versuchen stieß von den Steinen „auf völlige Fremdheit gegenüber meinem Alexandriner. Man findet ihn zugleich zu ideal und zu phallisch“ (ebd.: 233). 1953 kam schließlich, nach Einzelpublikationen in der Neuen Rundschau von 1951, die Teilausgabe im Suhrkamp-Verlag zustande (86 von 154 autorisierten Gedichten). Darin ist der Bezug auf George und die Antike als Leitbild, aus dem Entstehungskontext der Übersetzung überhaupt nicht wegzudenken, kaum mehr erkennbar. Vielmehr wird der Beitrag des Dichters zur „fremden Moderne“ akzentuiert, auf deren Hintergrund sich lediglich Elemente einer gleichsam neuen (klassischen) Antike abzeichnen. Von den Steinens Kavafis-Ausgabe bei Suhrkamp bildet 1953 eine der vielen Wegmarken für die kulturelle Öffnung der jungen BRD zur internationalen Moderne. Mit der Aufnahme von sechs Gedichten aus diesem Band in das legendär gewordene, von Hans Magnus Enzensberger 1960 herausgegebene Museum der modernen Poesie war Kavafis im deutschen Sprachraum endgültig kanonisiert.[6]

Die Auswahlausgabe von 1953 hat auch unmittelbare literarische Spuren hinterlassen: In sein Gedicht Bei der Lektüre eines spätgriechischen Dichters aus den Buckower Elegien (1953) hat Bertolt Brecht einzelne Formulierungen, ja ganze Zeilen aus dem Gedicht Troer von Kavafis/von den Steinen übernommen:


Bei der Lektüre eines spätgriechischen Dichters
In den Tagen, als ihr Fall gewiss war
Auf den Mauern begann schon die Totenklage
Richteten die Troer Stückchen grade, Stückchen
In den dreifachen Holztoren, Stückchen.
Und begannen Mut zu haben und gute Hoffnung.

Auch die Troer also…

(Brecht 1988: 312)


Zum Vergleich die ersten fünf Zeilen aus dem Troer-Gedicht von Kavafis/von den Steinen:


Unsere Bemühungen, die von Schicksalsduldern,
Unsere Bemühungen sind wie jene der Troer.
Stückchen richten wir grade, Stückchen
Nehmen wir über uns und beginnen,
Mut zu haben und gute Hoffnungen.

(Kavafis 1953: 15)


So sehr von den Steinen 1953 der verlegerischen Interessenlage, dem Zeitgeist bzw. der damit einhergehenden Aversion gegenüber George’schem Gedankengut Tribut geleistet haben mag, so deutlich revidiert er die Perspektive auf den Alexandriner in einer Einführung, die post mortem dem 1962 im Verlag Castrum Peregrini Presse publizierten Kavafis-Band mit den in der Suhrkamp-Ausgabe von 1953 noch fehlenden 68 Gedichten vorangestellt wurde.[7] Dem Leitbild Antike folgend wird Kavafis als „letzter Verkünder mit einer eigenen und doch vom Urlicht stammenden Botschaft“ (Kavafis 1985: 21) entmodernisiert und zugleich in der Nachfolge Stefan Georges als Brennpunkt für eine (geistige) Erneuerung Europas aus dem Osten aktualisiert. Die Germanistin Chryssoula Kambas identifiziert in diesem Zusammenhang eine „Schieflage der deutschen Geschichte von Kavafis-Ausgaben“, entstanden aus der „okkupierenden Einbindung des griechischen Dichters in die George-Tradition“ (Kambas 2010: 295).

Zur Übersetzung selbst äußert sich von den Steinen im letzten Absatz seiner Einführung zu den Gedichten des Konstantin Kavafis:

Die deutsche Ausgabe sucht – wozu der Reichtum des Deutschen eine Möglichkeit zu geben scheint – aufs strengste dem griechischen Sinn bis in jede Nuance zu folgen, sowie den Rhythmen und Reimen (mit wenigen Ausnahmen) bis in jede Einzelheit. Wie erwähnt, kann natürlich die besondere Magie des griechischen Sprachamalgams von keinem anderen Idiom erzielt werden: der deutsche Text klingt darum vielleicht etwas zu robust, vielleicht etwas zu lyrisch, nicht geisterhaft, nicht ironisch genug. Die antiken Namen, die zum Schatz der deutschen Tradition gehören (Peleus, Sarpedon u.a.) wurden in dieser Gestalt beibehalten, die spätantiken Personennamen und alle byzantinischen Bezeichnungen dagegen möglichst nahe der neugriechischen Aussprache wiedergegeben, die zur Atmosphäre gehört und allein hier Willkürlichkeiten vermeidet. (Kavafis 1962: 22f.)

Seit 2012 werden von den Steinens nachgelassene Platon-Übersetzungen von Torsten Israel editorisch aufbereitet; bisher (2019) sind zwei von sechs angekündigten Bänden erschienen. Ein Teil des Nachlasses befindet sich im Privatarchiv von Prof. Reimar Schefold (Amsterdam); eine „Reihe von Schriften, Übersetzungen und Briefen“, von der Familie der Neogräzistin Isidora Rosenthal-Kamerinea „zu treuen Händen überlassen“ (Rosenthal-Kamarinea 1982: 15), wurde nach deren Ableben offenbar entsorgt. Man muss davon ausgehen, dass ein nicht unerhebliches Volumen an Schriften und Übersetzungen verschollen ist, nicht zuletzt bedingt durch von den Steinens langjähriges Exil und den zeitweiligen Abbruch aller beruflichen Kontakte in den deutschsprachigen Raum.[8]

(Stand: Dezember 2019)

 


[1] Die beiden anderen sind Walter Jablonski (1892–1967): Gedichte des Kavafis. Jerusalem: Freund 1942, und Wolfgang Cordan (1909–1966): Konstantin Kavafis: Der Wein der Götter. Maastricht: Kentaur-Druck 1947. Vgl. zur Einschätzung der Übersetzungen durch Karl Wolfskehl die entsprechenden Passagen in Friedrich Voits Wolfskehl-Porträt.

[2] Die Themen der Sendungen könnten unterschiedlicher nicht sein, vgl. dazu im Einzelnen Kambas (2010: 307, Fn. 70), darunter auch, mit Sendetermin am 20. März 1935: Vom Geheimnis des griechischen Sprachklangs. – Zu Frommels Rundfunkarbeit für den Südwestfunk und den Reichssender Berlin sowie die Beteiligung „verwaister Georgeaner“ (u. a. Ernst Kantorowicz, Kurt Hildebrandt, Marx Kommerell, Rudolf Fahrner und Helmut von den Steinen) an seinen Mitternachtssendungen vgl. Raulff (2009: 455).

[3] In der Einführung finden sich (S. 18f.) grundlegende Überlegungen zur phonographischen Aufzeichnung, Verschriftlichung und Übersetzung der mündlich tradierten Geschichten.

[4] Giorgos Seferis, Μέρες Γ΄(Tage III, 16.4.1934–14.12.1941). Athen: Ikaros, 1984, S. 261; 264. Dieser Wunsch wird – aus Zensurgründen auf Englisch – auch in der Korrespondenz mit Karl Wolfskehl wiederholt, vgl. von den Steinens Brief vom 12. Juli 1941 aus Jerusalem: „ I hope to get free [aus dem britischen Internierungslager; A.S.] before a very long time and to consecrate myself entirely to the struggle of my countrymen (the Greek, of course!).“ (Blasberg 1988: 225).

[5] Bisher unveröffentlichtes Schreiben aus dem Seferis-Archiv der Gennadios-Bibliothek Athen (Übers. aus dem Engl.: A.S.).

[6] Außer Kavafis ist an griechischen Autoren im Museum der modernen Poesie nur noch Seferis mit vier Gedichten vertreten, übersetzt aus dem Englischen von Christian Enzensberger (1931–2009).

[7] Die bei Suhrkamp 1953 und im Verlag Castrum Peregrini Presse 1962 veröffentlichten Übersetzungen erscheinen gesammelt 1985. Die Einleitung zu dieser Gesamtausgabe ist identisch mit der der Ausgabe von 1962.

[8] So ist im Nachruf der Zeitschrift Castrum Peregrini die Rede von einer „dichterischen Fortführung von Goethes unvollendetem Schauspiel Die natürliche Tochter“ – das 37 Seiten umfassende Manuskript liegt im DLA Marbach – „[…] dazu kommen eigene Verse, u.a.m.“ (Frommel 1959: 68). Ein im Marbacher Archiv liegender Brief von den Steinens an Wolfskehl vom 12. Juli 1941 vermerkt ein „new drama“ (Reimar, unveröffentlichtes Manuskript), ein Brief von Wolfskehl aus Auckland vom 18. April 1944 erwähnt Gedichte unter dem Titel Das Jahr von Saint Jean d´Acre (Blasberg 1988: 227). In Briefen des kretischen Schriftstellers Pantelis Prevelakis und in dessen Archiv sind Übersetzungen seiner Werke durch von den Steinen erwähnt (das Theaterstück Das heilige Schwert, Romane Der Baum und Die Stadt, Vortragsmanuskript). Das von Frommel und Rosenthal-Kamarinea genannte Weißbuch in der Übersetzung von den Steinens liegt, allerdings ohne dessen Namen anzuführen, im Archiv des griechischen Außenministeriums: Koenigliches Ministerium des Auswaertigen / Diplomatische Dokumente: Der italienische Überfall auf Griechenland, Athen, 1940. – In Athen haben sich ferner Teile der Bibliothek von den Steinens erhalten (vgl. Israel 2017).

 

Literatur:

Biza, Maria (2017): Deutsch-griechischer Lyriktransfer im 20. Jahrhundert. K. Kavafis, G. Seferis und J. Ritsos in deutschen Übersetzungen, Bearbeitungen und Anthologien, Diss. München. Online: ‹https://edoc.ub.uni-muenchen.de/20772/1/Biza_Maria.pdf› (letzter Aufruf 10. Dezember 2019).

Blasberg, Cornelia (Hg.) (1988): Karl Wolfskehls Briefwechsel aus Neuseeland 1938–1948, Bd.1, Darmstadt: Luchterhand 1988 (Veröffentlichungen der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, Bd. 61).

Brecht, Bertolt (1988): Werke XII, Gedichte 2, Große Kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe, Berlin (DDR): Aufbau.

[Frommel, Wolfgang] (1959): Nachruf auf Helmut von den Steinen. In: Castrum Peregrini, 38 (1959), S. 65-71.

Israel, Torsten (2017): Bücher, Sonderdrucke und Zeitschriften aus dem Nachlass Helmut von den Steinens in der Bibliothek der Hochschule der Künste Athen (A.S.K.T.). Thematisch geordnetes und annotiertes Bestandsverzeichnis. 92 S. (www.global-archives.de/fileadmin/redakteure/user_upload/BibliothekHvdSt_AKTUELL.pdf).

Hartmann, Heiko (2012): Steinen, Helmut von den. In: Aurnhammer, Achim et al. (Hg.): Stefan George und sein Kreis. Ein Handbuch. Berlin, Boston 2012, Bd. 3, Sp. 1683a–1684b.

Kambas, Chryssoula (2010): Athen und Ägypen. Helmut von den Steinen, Übersetzer von Kavafis. In: Kambas, Chryssoula / Mitsou, Marilisa (Hg.): Hellas verstehen. Deutsch-griechischer Kulturtransfer im 20. Jahrhundert. Köln: Böhlau, S. 289–328.

Raulff, Ulrich (2009): Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben. München: C.H.Beck.

Rosenthal-Kamarinea, Isidora (1982): Helmut von den Steinen, Vermittler neugriechischer Dichtung. In: hellenika (1982), S. 14–26.

Bibliographie

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Übersetzungen (Buchform)

Übersetzungen (Zeitschriften, Anthologien)

Originalwerke von Helmut von den STEINEN